2012

 

Schreiende Stromgitarren im Advent

Schock-Rocker mischen in der Vorweihnachtszeit mit legendärem Live-Gig auf

Sie sind ohnehin eng miteinander befreundet, da liegt ein gemeinsamer Auftritt nahe: Mit Rob Zombie und Marilyn Manson kamen im Dezember die bekanntesten Schock-Rocker der Gegenwart in den RuhrCongress. Zwei Männer, die gefühlt im Laufe ihrer Show so aussehen, als hätten sie soeben ein Tier mit bloßen Händen ausgeweidet. Ihre Posen sind ekstatisch, ihr Rock-Stil eine Mixtur aus brachialen Bässen und schreienden Stromgitarren. Konventionelles stellen beide gern in Frage – da passt ihr Auftritt an einem Ort, der ursprünglich bei seiner Eröffnung einmal vornehmlich für Messen und Kongresse vorgesehen war und doch unglaublich rockt. Marilyn Manson stellt im RuhrCongress sein achtes Studioalbum „Born Villain“ live vor, Rob Zombie blickt auf seine Veröffentlichung „Mondo Sex Head“ zurück, ein Remix-Album seiner größten Hits. Beide lieben die außergewöhnliche Show, die sie aktiv in stets mehr als einer Kunstform begehen. Musik, Malerei, Film, Literatur, Journalismus: Fast jede Ausdrucksform ist ihnen recht, um ein vielschichtiges, gesamtkünstlerisches Bild zu erzeugen. Sie malen mit Bässen, verstören mit Licht und reizen mit ihrer Aura, die sie provozierend zur Schau und einen Moment später zugleich in Frage stellen. Ein denkwürdiger Auftritt an einem – für sie – zweifelsohne ungewöhnlichen Ort.
 

Piraten in Sicht

Populäre Newcomer-Partei gibt sich im RuhrCongress das erste Bundesprogramm in ihrer jungen Geschichte

Sie waren die politischen Newcomer, gefeiert von den Medien als Hüter der direkten Demokratie und als Sperrspitze eines neuen, unkonventionellen Politikstils. Anfangs konnte die Piraten-Partei in Deutschland ihre Popularität selbst nicht so recht glauben. Doch offenbar war die Zeit reif für eine Partei, die eine neue politische Kultur der Mitbestimmung verspricht. Das Internet sollte es richten – und so war die Partei anfangs auch eher mit Internet-Themen wie Urheberrecht und Datenschutz in der allgemeinen Wahrnehmung vertreten. Doch mit dem Erfolg in den ersten deutschen Landesparlamenten reichte dieser One-topic-Auftritt nicht mehr aus. Es musste ein Bundesprogramm her. Als Ort für ihren Bundesparteitag, auf dem sie ihr Programm erweitern wollten, hatten sich die Piraten den RuhrCongress ausgesucht. 2000 Mitglieder diskutieren hier im November 2012, vor allem über die Außen- und Wirtschaftspolitik, denn da ist ihr Programm noch recht dünn. Der RuhrCongress sieht an vielen Stellen so aus, als hätten sich Computerfreaks niedergelassen und der Chaos Computer Club würde tagen. Ohne Laptop, iPad und Co scheint es bei den Piraten nicht zu gehen. Die Sammlung mit allen Anträgen, die auf dem Parteitag gestellt werden sollen, umfasst 1464 Seiten. Es gelingt natürlich nicht, all diese Anträge zur Abstimmung zu bringen. Doch von Bochum geht für die Piraten ein Zeichen aus: Entgegen der allgemein geäußerten Kritik hat die Partei nun in Ansätzen ihr Programm ausgebaut – und wird es künftig noch weiter verfeinern. Bochum war der Auftakt.